Deusen ist um eine Institution ärmer: Am Samstag, 29. Juni 2008, schloss Heide Stolte nach 14 Jahren ihr Lottogeschäft auf der Deusener Straße 250 für immer. Einen Nachfolger gibt es nicht.
Mehr als 60 Jahre lang diente der nur 26 Quadratmeter große Laden als Verkaufsraum. Zuerst von der Familie Neumann bewirtschaftet – früher gab es dort Milch, Käse und Butter – konnte sich das Geschäft später mit Lotto, Schreibwaren und Zeitschriften gut über Wasser halten. Vielen Deusenern erinnern sich auch noch gern an Inge Staschik, die den Laden vier Jahre lang führte, bevor sie von Heide Stolte abgelöst wurde.
Viele Tränen flossen und viele Erinnerungen machten am letzten Öffnungstag noch einmal die Runde. Zwei Glückspilze konnten sich in den vergangenen Jahren über je 100 000 Euro Lottogewinn in Deusen freuen und auch der 2. Vorsitzende der SG-Deusen, Lore Migdalski, gelang mit fünf Richtigen einmal ein Treffer, der zu D-Mark-Zeiten immerhin 9000 Mark einbrachte.
Eine gute Werbung für die Lotto-Gesellschaft. Unverständlich ist es für die Siedlergemeinschaft daher, dass das staatliche Unternehmen seinen Standort in Deusen aufgibt. Zwar konnte Lotto hier nicht so hohe Einnahmen einfahren, wie in den Filialen in großen Discountern, aber gerade der Staat müsste Abstand nehmen von der Mentalität der Großunternehmen nur auf Masse statt Klasse zu setzen. Der kleine Mann, der Jahrzehnte lang treu und brav seinen Lottoschein abgibt und damit auch die staatlichen Kassen füllt, wird so zur Randfigur.
In Deusen ist das besonders schmerzlich, weil ohne Lotto auch kein Nachfolger für den Laden gefunden werden konnte. Allein von den Einnahmen aus den normalen Verkaufsbetrieb hätte Heide Stolte nicht leben können.
Die 67-Jährige, die eigentlich nur fünf Jahre hinter der Ladentheke stehen wollte,hatte für alle Kunden immer ein offenes Ohr. Kein Kind verließ ihren Laden ohne Bonbon oder Lutscher. Viele hatten dort ihre Zeitungen im „Abo“. Wir Deusener werden nicht nur das Geschäft, sondern auch die fröhliche, ehrliche Art der Inhaberin schmerzlich vermissen.
Der Vorstand der SG Deusen verabschiedete sich von Heide Stolte mit einem Blumenstrauß und dem Versprechen an seine Mitglieder, sich weiterhin mit allen Kräften für eine bessere Nahversorgung in Deusen einzusetzen. Dabei bauen wir auf die Mithilfe von allen Deusenern. Nur wer selbst die Probleme vor Ort mit anpackt, anstatt sie von der Sofaecke aus zu kritisieren, kann was erreichen.